Die Zecke liebt mich- die Zecke liebt mich nicht

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Wer viel draußen unterwegs ist, ist schon mal leichte Beute

Letztens wurde ich gefragt, ob es eigentlich Menschen gibt, die von Zecken bevorzugt befallen werden.

RKI: Kinder, die draußen spielen

Der Internet-Auftritt des Robert Koch Instituts beantwortet diese Frage mit der Behauptung, es sei andersherum: Menschen, die besonders häufig Zecken haben, verhalten sich so, dass sie für Zecken ein leichtes Opfer sind. Logisch daran ist: Wer nie draußen und in Wiesen und Wald unterwegs ist, der wird sicher nie eine Zecke haben. Auf dem Sofa treffen wir sie bestimmt nicht an.

Die Beobachtung, die zu dieser Frage führte, war jedoch auf einer Klassenfahrt gemacht worden. Alle waren draußen unterwegs und nicht alle hatten deswegen Zecken „eingefangen“.

Es muss also doch noch andere Gründe geben. (Nun kann man sicher auch sagen, dass nicht alle Schüler die Angewohnheit haben, Wege zu verlassen und durch das Unterholz zu streifen. Aber so einfach mache ich es mir nicht). Wenn man Google suchen lässt, findet man gleich einen Artikel in der Hamburger Morgenpost aus dem letzten Jahr, in dem Christine Klaus, eine Wissenschaftlerin am Friedrich Loeffler Institut in Jena zitiert wird: „Zecken lassen sich bei der Suche nach einem Wirtstier für ihre Blutmahlzeit von drei Reizen leiten: Bewegung, Wärme und chemotaktische Faktoren, also vor allem Duftstoffe.“

Das ist zwar eine Richtung, aber keine Antwort. Bewegt haben sich alle, es werden alle, die an dem Tag kein Fieber hatten oder ausgekühlt waren, etwa die gleiche Körpertemperatur gehabt haben. Bleibt der Geruch. Aber was mögen Zecken?

Wikipedia weiß, dass Zecken ein „Haller Organ“ an den Tarsen (das sind die Fußglieder bei Insekten) besitzen, das verschiedene organische Verbindungen „riecht“. Welche das sind, ist aber nicht eindeutig, auch nicht in der angegebenen Veröffentlichung.

Daher mache ich mich selbst auf die Suche. Ich beschränke mich hier auf zwei Faktoren, die man untersucht hat.

PubMed-Suche in den wissenschaftlichen Veröffentlichungen

Da findet sich zunächst eine Studie aus dem Juni 2013 (*1): Die Theorie: Zecken suchen sich bevorzugt solche Opfer, die ihnen ausreichend Eisen bieten. Also alle, die anämisch sind, sollten seltener oder gar nicht von Zecken befallen werden. Versuchstiere waren Eidechsen.

Diese Theorie wird jedoch in der Studie nicht bestätigt. Die einzige Beobachtung ist, dass die Tiere bei anämischen Opfern länger brauchen, um die Mahlzeit zu beenden. Also wird der geringe Hämatokritgehalt des Bluts durch eine größere Blutmenge ausgeglichen. Das läuft also wie beim Menschen, der ein „light“-Produkt zu sich nimmt…

Eine andere Studie suchte nach Bevorzugung durch das Geschlecht, gemessen am Hormon Testosteron. (*2) Untersucht wurden auch hier wieder Eidechsen, aber an denen konnte man sehen, dass Männchen bevorzugt wurden. Männchen mit höherem Testosteronspiegel waren beliebter als Männchen mit niedrigem Testosteronspiegel. Und unter den Weibchen wurden diejenigen bevorzugt, die fruchtbar sind. Interessanter Ansatz. Aber ob das gleichermaßen auch für Menschen gilt?

Es gibt sicher auch Unterschiede in der Zeckenart- die in Europa vorkommende Ixodes ricinus hat sicher auch andere Vorlieben als die amerikanischen Verwandten, die in mancher Studie das Versuchstier waren.

Kurz gefasst. Man weiß es wohl noch nicht genau.

Interessanterweise weiß man da bei anderen Insekten mehr. Vielleicht ist es da einfacher?

Quellen

*1: Effect of host lizard anemia on host choice and feeding rate of larval western black-legged ticks (Ixodes pacificus)

Pittman, Pollock, Taylor

Experimental and Applied Acarology, june 13,

*2 How do host sex and reproductive state affect host preference and feeding duration of ticks?

Pollock, Larisa K. Vredevoe, Emily N. Taylor

Parasitology Research, August 2012, Volume 111, Issue 2, pp 897-907

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