PSA-Test: So früh wie nötig und so oft wie nötig

Die Publikation „Strategy for detection of prostate cancer based on relation between prostate specific antigen at age 40-55 and long term risk of metastasis: case control study” war im Mai “Literatur des Monats” der Martini-Klinik in Hamburg. Die Bewertung ist hier zu lesen.

Da diese Zusammenfassung eindeutig für Ärzte geschrieben wurde, ist hier meine Zusammenfassung des wichtigsten:

PSA-Test: So früh wie nötig und so oft wie nötig

 

Eine schwedische retrospektive Studie untersucht, mit welcher Häufigkeit PSA-Screening sinnvoll ist

Prostatakarzinome werden häufiger diagnostiziert

Prostatakrebs ist eine Tumorart, die in den letzten Jahren immer häufiger diagnostiziert wurde. Es ist laut Robert Koch Institut die häufigste Tumorart und die dritthäufigste Krebstodesursache des Mannes in Deutschland. Diese Entwicklung begründet sich nicht allein mit einer vermehrten Erkrankung, sondern mit sensitiveren Diagnostik-Methoden. In den 90er Jahren wurde der PSA-Test eingeführt. Dafür wird Blutserum auf das „Prostata-spezifische Antigen“ untersucht. Das ist ein Protein, das in geringen Konzentrationen auch im gesunden Mann im Blut ist. Ist die Konzentration erhöht, ist dies ein Marker für ein Prostata-Karzinom. Auch Tumore in frühen Stadien können dank PSA-Test erkannt werden.

Übertherapie versus tödliche Fälle

Jedoch birgt der Test einen sehr entscheidenden Nachteil: Der PSA-Wert ist nicht spezifisch. Er kann auch erhöht sein, wenn lediglich eine harmlose Entzündung oder eine gutartige Veränderung in der Prostata vorliegen. Somit werden die Männer in vielen Fällen unnötig verunsichert.

Dazu kommt auch: Nicht jeder Tumor in der Prostata ist tödlich. Viele der so entdeckten Tumore hätten vielleicht niemals Probleme bereitet, weil sie entweder harmlos sind oder sehr langsam wachsen. Dagegen ist die Behandlung aber sehr radikal: nach einer Operation sind Inkontinenz und Impotenz häufig. Man spricht von einer Übertherapie, denn eine Unterscheidung zwischen den bösartigen und gutartigen Tumoren ist bislang vorher nicht möglich. In den USA wurde der PSA-Test bereits abgeschafft. Auch in Europa ist der Test umstritten.

Die Studie: Sisyphos hätte seine Freude…

Aus diesen Gründen ist die Studie interessant. Die Autoren bestimmten die PSA-Konzentration in Blutproben von mehr als 21.000 Männern. Diese waren in den Jahren 1974-1984 in Schweden gesammelt worden. Die Männer waren damals zwischen 37 und 55 Jahre alt. Nach 6 Jahren wurden Männer aller Altersgruppen erneut zu einer Blutprobe aufgefordert, dem kamen knapp 5.000 Männer nach.

Anschließend wurde ausgewertet, welche der Männer an einem Prostatatumor erkrankt waren, welche von ihnen Metastasen hatten und welche der Männer an dem Prostatakarzinom verstorben waren. Die jeweiligen PSA-Konzentrationen und das Alter wurden in Beziehung gesetzt. Es handelt sich also um eine retrospektive Studie. Interessant ist daran, dass in den Jahren, in denen das Blut abgenommen wurde, noch keine PSA-Tests gemacht wurden. Eine solche Studie heute wäre verfälscht, weil viele Männer einen PSA-Test machen lassen und sich entsprechend auch behandeln lassen. Die Zahlen wären dadurch andere.

1369 mal wurden unter den Männern die Prostata-Krebs-Diagnose gestellt: 241 Männer hatten Metastasen und 162 Männer starben an der Erkrankung.

Drei Altersgruppen und ihre Risiken bei niedrigen PSA-Werten

Die Autoren stellten sich drei Fragen bei der Auswertung:

1. Gibt es einen Grund mit dem PSA-Screening vor dem 45. Geburtstag anzufangen?

Nein. Denn selbst wenn der PSA-Wert in dieser Altergruppe hoch war, das Risiko, Metastasen in den nächsten 15Jahren zu entwickeln ist sehr gering. Dieses Risiko stieg für die Altersgruppe von 45-49 um das dreifache und für die Altersgruppe von 51-55 um das 10fache.

2. Kann ein einzelner Test einem Patienten im Alter von 45-49 oder von 50-55 weitere Tests ersparen, wenn die PSA-Konzentration niedrig ist?

Nein. Zwar war das absolute Risiko, Metastasen zu bekommen niedrig. Jedoch hatten umgekehrt die Männer mit Metastasen im langfristigen Follow-up (Median: 27Jahre) häufig eine niedrige PSA-Konzentration in jungen Jahren aufgewiesen.

3. Welcher Abstand zwischen den Tests ist bei niedriger PSA-Konzentration notwendig?

Nach 5 Jahren scheint ausreichend zu sein. In 15Jahren steigt die Konzentration selten, wenn sie im Alter von 40-45 niedrig war.

Empfehlungen für die Vorsorge: Ab 45 reicht aus

Die schlussfolgernde Empfehlung der Autoren lautet, dass Männer ab Mitte bis Ende 40 den ersten PSA-Tests machen lassen. Liegt der PSA-Wert bei weniger als 1 µg/l, reichen weitere Tests mit Anfang 50 und mit 60. Ist der Wert höher, sollten die Männer alle 2-4 Jahre zum Screening erscheinen.

Ab 60 Jahre kann das Screening beendet werden, wenn der Wert niedrig ist. Ansonsten empfehlen die Autoren regelmäßiges Screening bis zum 70. Lebensjahr.

Die Publikation „Strategy for detection of prostate cancer based on relation between prostate specific antigen at age 40-55 and long term risk of metastasis: case control study” war im Mai “Literatur des Monats” der Martini-Klinik in Hamburg. Die Bewertung ist hier zu lesen:

http://www.martini-klinik.de/aktuellt/prostatakarzinom-literatur/2013/mai-2013/?L=2/

Hier meine Zusammenfassung des wichtigsten:

PSA-Test: So früh wie nötig und so oft wie nötig

 

Eine schwedische retrospektive Studie untersucht, mit welcher Häufigkeit PSA-Screening sinnvoll ist

Prostatakarzinome werden häufiger diagnostiziert

Prostatakrebs ist eine Tumorart, die in den letzten Jahren immer häufiger diagnostiziert wurde. Es ist laut Robert Koch Institut die häufigste Tumorart und die dritthäufigste Krebstodesursache des Mannes in Deutschland. Diese Entwicklung begründet sich nicht allein mit einer vermehrten Erkrankung, sondern mit sensitiveren Diagnostik-Methoden. In den 90er Jahren wurde der PSA-Test eingeführt. Dafür wird Blutserum auf das „Prostata-spezifische Antigen“ untersucht, ein Protein, das in geringen Konzentrationen auch im gesunden Mann im Blut ist. Ist die Konzentration erhöht, ist dies ein Marker für ein Prostata-Karzinom. Auch Tumore in frühen Stadien können dank PSA-Test erkannt werden.

Übertherapie versus tödliche Fälle

Jedoch birgt der Test einen sehr entscheidenden Nachteil: Der PSA-Wert ist nicht spezifisch. Er kann auch erhöht sein, wenn lediglich eine harmlose Entzündung oder eine gutartige Veränderung in der Prostata vorliegen. Somit werden die Männer in vielen Fällen unnötig verunsichert.

Dazu kommt auch: Nicht jeder Tumor in der Prostata ist tödlich. Viele der so entdeckten Tumore hätten vielleicht niemals Probleme bereitet, weil sie entweder harmlos sind oder sehr langsam wachsen. Dagegen ist die Behandlung aber sehr radikal: nach einer Operation sind Inkontinenz und Impotenz häufig. Man spricht von einer Übertherapie, denn eine Unterscheidung zwischen den bösartigen und gutartigen Tumoren ist bislang vorher nicht möglich. In den USA wurde der PSA-Test bereits abgeschafft. Auch in Europa ist der Test umstritten.

Die Studie: Sisyphos hätte seine Freude…

Aus diesen Gründen ist die Studie interessant. Die Autoren bestimmten die PSA-Konzentration in Blutproben aus den Jahren 1974-1984 von mehr als schwedischen 21.000 Männern.  Die Männer waren damals zwischen 37 und 55 Jahre alt. Nach 6 Jahren wurden Männer aller Altersgruppen erneut zu einer Blutprobe aufgefordert, dem kamen knapp 5.000 Männer nach.

Anschließend wurde ausgewertet, welche der Männer an einem Prostatatumor erkrankt waren, welche von ihnen Metastasen hatten und welche der Männer an dem Prostatakarzinom verstorben waren. Die jeweiligen PSA-Konzentrationen und das Alter wurden in Beziehung gesetzt. Es handelt sich also um eine retrospektive Studie. Das ist interessant, weil die Männer der untersuchten Jahrgänge kein PSA-Screening bekommen haben. Eine solche Studie heute wäre verfälscht, weil viele Männer einen PSA-Test machen lassen und sich entsprechend auch behandeln lassen. Die Zahlen wären dadurch andere.

1369 mal wurden unter den Männern die Prostata-Krebs-Diagnose gestellt: 241 Männer hatten Metastasen und 162 Männer starben an der Erkrankung.

Drei Altersgruppen und ihre Risiken bei niedrigen PSA-Werten

Die Autoren stellten sich drei Fragen bei der Auswertung:

1. Gibt es einen Grund mit dem PSA-Screening vor dem 45. Geburtstag anzufangen?

Nein. Denn selbst wenn der PSA-Wert in dieser Altergruppe hoch war, das Risiko, Metastasen in den nächsten 15 Jahren zu entwickeln ist sehr gering. Dieses Risiko stieg für die Altersgruppe von 45-49 um das dreifache und für die Altersgruppe von 51-55 um das 10fache.

2. Kann ein einzelner Test einem Patienten im Alter von 45-49 oder von 50-55 weitere Tests ersparen, wenn die PSA-Konzentration niedrig ist?

Nein. Zwar war das absolute Risiko, Metastasen zu bekommen niedrig. Jedoch hatten umgekehrt die Männer mit Metastasen im langfristigen Follow-up (Median: 27 Jahre) häufig eine niedrige PSA-Konzentration in jungen Jahren aufgewiesen.

3. Welcher Abstand zwischen den Tests ist bei niedriger PSA-Konzentration notwendig?

Nach 5 Jahren scheint ausreichend zu sein. In 15 Jahren steigt die Konzentration selten, wenn sie im Alter von 40-45 niedrig war.

Empfehlungen für die Vorsorge: Ab 45 reicht aus

Die Autoren leiten folgende Empfehlung ab:  Männer sollten in der zweiten Hälfte der 40er den ersten PSA-Test machen lassen. Liegt der PSA-Wert bei weniger als 1 µg/l, reichen weitere Tests mit Anfang 50 und mit 60. Ist der Wert höher, sollten die Männer alle 2-4 Jahre zum Screening erscheinen.

Ab 60 Jahre kann das Screening beendet werden, wenn der Wert niedrig ist. Ansonsten empfehlen die Autoren regelmäßiges Screening bis zum 70. Lebensjahr.

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